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Impulse für September 2026  (Auszug aus 8. Kapitel aus „Zwischen zwei Welten“ von Joel Goldsmith)

 

Der Weg zur Erfüllung: richtige Identifizierung

Auf dem geistigen Pfad ist die Enthüllung und Erkennt­nis der richtigen Identität von größter Bedeutung, da es durch die Verwirklichung dieses Prinzips geschehen wird, dass die gesamte Welt eines Tages in eine neue Lebens­ära eintritt.

Viele, viele Jahrhunderte lang wurde der Welt gesagt, dass wir alle Sünder sind und wenn wir diese irdische Ebene verlassen, die Mehrzahl aller Menschen sich in der Hölle, im Fegefeuer oder in der Vorhölle befinden werde. Alle diese Vorstellungen sind das Ergebnis falscher Iden­tifizierung. Die Wahrheit ist, dass der Teil von uns, der aus Sterblichkeit besteht, völlig illusorisch ist. Er ist nicht wirklich und hat überhaupt keine wirkliche Existenz.

Selten kommen wir in Berührung mit jenem Teil von uns, der wirklich ist, mit unserer wahren Identität, un­serem wahren Wesen. Tatsächlich lernen nur sehr wenige Menschen während ihres irdischen Lebens jemals ihr eige­nes Wesen oder das ihrer Freunde und Angehörigen ken­nen. Sie leben stets in einer Welt der Illusion, wie Schau­spieler auf der Bühne mit den übrigen Darstellern eines Stückes.

Vor langer Zeit enthüllte Shakespeare in seiner Weisheit, dass die ganze Welt eine Bühne ist und alle Men­schen Schauspieler. Was wir unser Menschsein nennen, ist eine Maskerade; es ist eine Theateraufführung, und wir verbergen uns hinter der Maske. Wir verstecken uns nicht nur vor uns selbst, sondern erblicken auch, wenn wir andere betrachten, nur die Maske, die sie tragen, ge­nannt Persönlichkeit. Wir beurteilen sie nach dem, was wir sehen, anstatt zu erkennen, dass sich hinter jener Maske der Persönlichkeit, hinter dem Kostüm, das wahre Selbst oder die wahre Identität dieses Einzelwesens be­findet.

Wenn wir uns daran beteiligen, uns gegenseitig nach dem zu beurteilen, als was wir äußerlich erscheinen, so nehmen wir alle an einer großen Maskerade teil und sehen den einen als Romeo an, eine andere als Julia, den als Hamlet und einen anderen als Satan und merken über­haupt nicht, dass hinter dieser Maskerade, dieser Persön­lichkeit, ein wahres Wesen, ein unsterbliches Sein, das nie geboren wurde und niemals sterben wird, steht — eine individuelle Offenbarung des Göttlichen. Solange das Leben durch den menschlichen Geist und Körper gelebt wird, ist es unmöglich, das Leben unserer wahren Identität zu leben und die freudige Erfahrung der Ge­meinschaft miteinander zu machen, die eintritt, wenn wir erst einmal über den Bereich des Geistes und Körpers eines Menschen hinausgekommen sind und den Bereich seiner Seele erreicht haben…….

 

Richtige Identifizierung

Wenn wir unser geistiges Wesen erfassen, so lösen sich alle Probleme der Welt, da durch eine solche eigene rich­tige Identifizierung auch alle übrigen Prinzipien geistigen Lebens offenbar werden. Die geistigen Lebensprinzipien können uns nicht enthüllt werden, ehe wir nicht unser wahres Wesen entdeckt haben und mit der Seele Gemein­schaft halten können, Ihrer Seele und der meinen. In der Seele nämlich sind die Mysterien des Lebens verborgen, und durch die Seele werden sie enthüllt. Wir leben zwi­schen zwei Welten, zwischen der Welt des menschlichen Geistes und Körpers und der Welt der Seele, ehe wir jedoch nicht den Bereich der Seele finden, bleibt uns das Geheimnis des Lebens verborgen.

Als Papst Paul VI. am 9. April 1964 die Gefängnisse besuchte, zelebrierte er die Messe und gab mehreren hun­dert Gefangenen die hl. Kommunion und sagte ihnen, er käme zu ihnen nicht aus irgendwelchen romantischen oder humanen Gründen, sondern weil er in ihnen die Verkörperung Christi erblickte. Er erklärte den Gefan­genen dort, dass sie selbst in ihrer tiefsten Erniedrigung jeden Augenblick zu der Erkenntnis ihrer vollen mensch­lichen Würde erwachen könnten.

Für die Zeitungen war dies nichts Neues. Neu für sie war vielmehr, dass der Papst ins Gefängnis ging; dass er aber den Gefangenen erklärte, dass er die Inkarnation Christi im Menschen sähe, auch in einem Sünder, das er­kannten sie nicht als Neuigkeit, eine Neuigkeit von bei­spielloser Bedeutung. Obwohl sie von diesem Ereignis berichteten, merkten sie nicht, dass es eine große Neuig­keit war, als die römisch-katholische Kirche die Enthül­lung machte, dass der Mensch kein Sünder ist, der für alle Ewigkeit zur Hölle verdammt ist, sondern dass der Mensch die ganze Würde des vollen Menschseins besitzt, das, was wir Christus-Sein nennen.

Was für eine Wirkung mögen diese Worte des Papstes auf die Gefangenen gehabt haben? Nur ganz wenige wer­den wiederum sündigen, nachdem ihnen von der göttli­chen Autorität, wie sie es ansehen, gesagt ist, dass Chri­stus sich in ihnen verkörpert hat. Wissen Sie, wie unmög­lich es ist, wenn man erst einmal sein eigenes wahres Wesen erkannt hat und wirklich Zeuge von der Verkör­perung Christi im Menschen geworden ist, den eigenen Körper oder Geist zu entehren oder zu verletzen oder gar den unseres Nächsten?

Es ist keinem von uns gegeben, Christus als unser eigenes Wesen, unsere eigene Identität, zu erblicken.

Das würde unser Ego so intensiv betonen, dass wir dar­über in Flammen aufgingen. Einige von uns haben Chri­stus vielleicht in Jesus erkannt, in Johannes, Paulus oder Gautama, dem Buddha. Wir erblicken Es eher in jemand anderem als in uns selbst, und dann geht uns ein Licht auf: Gott kann nicht nur einen einzigen Sohn haben. Mit dieser Erkenntnis weitet sich der Blick, und plötzlich erkennen wir: „Es waren dies alles Menschen wie ich, bis die Erkenntnis einsetzte und Christus offenbar wur­de.“ Das bringt Christus in uns zum Leben, und wir ver­mögen zu sagen: „Also auch ich.“

Jesus gab der Welt die Lehre, Christus in dir und in mir zu erblicken, als er darauf bestand: „Wer sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei? … Wer sagt denn ihr, dass ich sei? … Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ Es gibt nur ein Selbst, und Das bin ich.

Wenn wir das fortsetzen, so finden wir, dass Christus in allen Menschen verkörpert ist, nicht nur in der guten Menschheit, sondern in der schlechten. Worauf es an­kommt ist folgendes: Führt uns irgendetwas im Innern zu einem Menschen, der Es in uns zu wecken vermag, zu einem Buch oder einer Lehre? Dann sind wir, wenn­gleich unsere Sünden blutrot wären, befreit.